Von der eleganten Bar bis zur Fleischwurst mit Goldmedaille und von Luxus-Shopping bis zu David Copperfield in der Kneipe: Die Rü ist Szeneviertel, Stadtteilzentrum und die schönste Flaniermeile im Revier
PATRICK AMPÜTTE führt in vierter Generation Essens älteste Kneipe. Seit 105 Jahren ist die Ampütte die Anlaufstelle für hungrige Nightlifer - mit geöffneter Küche ist bis vier Uhr
Stadtteil-Check: Essen
Im Frühling, wenn die Zierkirschen blühen, wandelt sich die Rü zu einer Allee in postkartenkitschigem Rosa. Dann scheinen all jene Rüttenscheider Recht zu haben, die ihre Rüttenscheider Straße gerne als kleine Schwester der Düsseldorfer Kö sehen. "Klar:Wenn jemand in Essen flanieren will, tut er das nicht auf der Altenessener Straße, sondern hier", sagt Patrick Ampütte. Der Wirt der Kneipe, die seinen Namen trägt und mit 105 Jahren Essens älteste ist,weiß am besten,woher der Charme der Rü kommt: Eben nicht die Aneinanderreihung von Luxusgeschäften, sondern der Mix mit alteingesessenen Läden macht die Straße zum lebendigen Stadtteilzentrum." In der Ampütte war es schon immer die Mischung, die den Laden ausmacht", erzählt der 46-Jährige. "Wir waren nie eine einfache Eckkneipe." Auch in vierter Generation hat der Familienbetrieb bei den Gästen kein Nachwuchsproblem. "Durch neue Bars in der Umgebung - das Zucca, das Soul oder die Zweibar - hat sich auch unser Publikum in den letzten Jahren verjüngt", bestätigt Ampütte. Das Interieur stammt allerdings noch aus den frühen 70ern, und signierte Promiportraits an der Wand dokumentieren die bewegte Geschichte. Patrick Ampütte erzählt gerne daraus - natürlich in einem breiten Revierdeutsch, wie es sonst nur Herbert Knebel spricht. "Die Bilder waren mein erster Job hier. Oma konnte es nicht ertragen, wenn sie schief hingen. Zehn Pfennig bekam ich für jeden Rahmen, den ich gerade rückte. Also hab' ich, bevor sie kam, alle Bilder erst einmal schief gehängt." Das Soul direkt neben der Ampütte war der erste Laden, der die junge Szene ans untere Ende der Rüttenscheider brachte. Nach genau fünf Jahren schloss die Szenebar im August mit einem großen Abschiedsfest, das die halbe Kahrstraße lahmlegte. Für Andreas Kahle kein Abschied auf immer. Im Gegenteil: "Ab dem 31.8.wird es ein neues Soul geben, das dann im Untertitel Hellcafé heißt", verrät der Besitzer, "also eine Rock'n'Roll-Bar. Für die Rüttenscheider sind Punks und Rockabillys eine ganz neue Erfahrung. Das wird lustig."
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