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Bochum Ehrenfeld

Jung und quirlig: Wo noch Zeit für Individualität bleibt


Lange schlummerte Ehrenfeld im Dornröschenschlaf. Doch seit geraumer Zeit gestalten Künstler und junge Selbstständige ihren Stadtteil neu: etwas quirliger, aber mit der gebotenen Lässigkeit.

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Vor kurzem war die Bonner Kulturund Tourismusmarketing GmbH Projekt 2508 im Ruhrgebiet unterwegs. Ihr Auftrag: Für die Kulturhauptstadt 2010 sollten alle Revierstädte auf ihre touristischen Hotspots abgeklopft werden. In Bochum fiel das Ergebnis überraschend aus: Nur knapp hinter dem berühmt-berüchtigten Bermudadreieck landete das benachbarte Ehrenfeld auf Platz zwei der Beliebtheitsskala. Unweit von Bochums Nightlife-Meile herrscht ein entspannteres, kulturell durchmischtes Flair, das so eher in Berlin oder Hamburg zu finden ist. "Ehrenfeld zeichnet sich durch eine junge Kultur jenseits der Masse aus", erläutert Thomas Zehnter. Er ist Mitinitiator der Einzelhändlergemeinschaft "Viertel vor", die sich um die Belange des Stadtteils kümmert und die Interessen der ansässigen Geschäftsleute und Kulturschaffenden bündeln will. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen von der Agentur "Engel und Agenten" hat der Bochumer Computerkünstler vor allem ein Ziel: durch wohldosierte Nachbarschaftsaktionen das Gemeinschaftsgefühl seines Viertels zu stärken.

Es ist schon etwas länger her, dass die Häuserblöcke zwischen Königsallee, Alte Hattinger Straße und Kurt-Schumacher-Platz ein vornehmlich bürgerliches Wohnviertel waren. Wo einst die wohlhabenderen Bergleute lebten, bestimmen heute Studenten, Künstler, Schauspieler und junge Familien das Straßenbild. Um die Jahrtausendwende, als hier die bis heute ansässigen Kneipen Coxx, Freibad und Orlando zu Szenespots der schwul-lesbischen Revier-Community avancierten, wurde das Viertel zunächst als "Rosa Dreieck" bekannt. In der zweiten Generation pflanzte sich diese neue Liberalität vom Nachtgeschehen bis ins tägliche Geschäftsleben fort. "Ob Essen, Dortmund oder Bochum: Die Innenstädte sehen doch alle gleich aus. Aber hier in Ehrenfeld wächst alles wild und individuell", erklärt Anke Zilles. Gemeinsam mit ihrer Schulfreundin Barbara Hausmann betreibt sie den Accessoires-Shop "Wohnbar". Selbst gefertigte Taschen sowie Dekoartikel und Kleinmöbel von regionalen Designern prägen das Angebot der beiden aus Norderney stammenden Friesinnen und heben es ideenreich von der Stangenware in der City ab.

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