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Guerilla-Gardening

Lasst Blumen sprechen

Margeriten gegen Monotonie, Bohnen gegen Beton, Efeu statt Einöde: Das triste Stadtbild auf eigene Faust zu begrünen ist keine neue Erfindung. Doch in Zeiten von menschenfeindlicher Stadtplanung, Immobilienwucher und ökologischem Raubbau erlebt der kreative Protest eine neue Blüte.

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Bewaffnet mit Blumenzwiebeln, Samenbomben, Schaufel und Harke ziehen die Gärtner in ihren friedlichen Kampf ...


Auf vier Fahrspuren schiebt sich der Berufsverkehr Stoßstange an Stoßstange in die Stadt. Abgase, Motorenlärm und Asphalt, eine alltägliche Szenerie und wenig überraschend. Wären da nicht die orangefarbenen Blüten mehrerer Kapuzinerkressepflanzen, die sich am Stahlmast einer Reklametafel emporranken. Das ist kein Zufall, keine gute Laune der Natur, hier haben Guerilla- Gärtner kreativ nachgeholfen. Auf eigene Faust an unerwarteter Stelle Pflanzen wachsen zu lassen und dem Betondschungel so wenigstens ein bisschen Wildheit, Naturschönheit und Unberechenbarkeit abzutrozen: Diese Idee hat sich in den letzten Jahren zu einer internationalen Bewegung entwickelt. Ihr Vordenker und Antreiber ist der Engländer Richard Reynolds. Der Oxford-Absolvent kehrte nach zehn Jahren der Werbebranche den Rücken, um mehr Zeit für seine Gärtnertätigkeit zu haben. In seinem botanischen Manifest formuliert er die Grundsätze der ökologischen Bewegung: "Guerilla-Gardening ist eine Schlacht um die Ressourcen, ein Kampf gegen Landmangel, gegen ökologischen Raubbau und verpasste Möglichkeiten. Und dann geht es nebenbei auch noch um Dinge wie Meinungsfreiheit oder das Zusammengehörigkeitsgefühl in deinem Viertel. Guerilla-Gardening ist eine Schlacht, in der Blumen die Munition sind."

Bewaffnet mit Blumenzwiebeln, Samenbomben, Schaufel und Harke ziehen die Gärtner in ihren friedlichen Kampf. Für mehr Freiräume. Gegen Beton, Einöde und Monotonie. Mit jeder Verkehrsinsel und jeder Baumumrandung, die sie begrünen, jedem Straßenzug, den sie mit Blumenkübeln schmücken und jedem brachliegenden Stück Land, das sie in einen blühenden Garten verwandeln, erringen sie einen kleinen Triumph. Ihr kreativer Protest richtet sich gegen die Reißbrettstadtplanung, wie sie etwa der amerikanische Ökonom Richard Florida vertritt, für den Kunst, Homosexualität und Bohème lediglich planbare Standortfaktoren sind. Oder gegen Immobilienwucher und Vertreibung von Unterprivilegierten. Sie betreiben die Aufwertung der Stadt durch Eigenengagement und blühende Landschaften statt durch florierende Kaffeehausketten, die in deutschen Innenstädten ohnehin schon überrepräsentiert sind. Und nicht zuletzt ist Guerilla- Gardening ein Gewinn für das urbane Gemeinwesen.

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