100 Jahre FC St. Pauli
Ein Stadtteil in Braun-Weiß
Keine Frage, die Weltmeisterschaft ist das Fußball-Großereignis des Jahres. Für die Anhänger des FC St. Pauli gibt es allerdings noch Wichtigeres: Ihr Verein könnte diesen Sommer den Sprung in die erste Liga schaffen - passgenau zu seinen Hundert-Jahr-Feierlichkeiten, für die der Kartenverkauf bereits im vollen Gange ist.
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Wir schreiben 1910. Hamburg zählt gut eine Million Einwohner, der Wasserturm im Sternschanzenpark geht in Betrieb, seit knapp einem Jahr schenken die Kneipenwirte ein Bier namens Astra aus - und ein neuer Fußballclub lässt sich ins Vereinsregister eintragen: der FC St. Pauli. Ein Jahrhundert später schickt sich das Team an, dem Verein das schönste Geburtstagsgeschenk zu machen: den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Und auch die Festivitäten, die der Club und seine Fans zum Jubiläum rund um den 15. Mai organisiert haben, sind dem großen Ereignis angemessen. Etwa das Freundschaftsspiel gegen Celtic Glasgow. Mit den Fans des schottischen Clubs verbindet die Anhänger des FC St. Pauli eine so innige wie trinkfeste Freundschaft.
Überhaupt spielen die Fans eine große Rolle bei den Feierlichkeiten - wie auch in der Geschichte des Vereins. Ende der Achtziger, als die Hausbesetzerszene den Club für sich entdeckte und Fans erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs im Stadion "Nazis raus!" skandierten, wurde das alternative Image des Vereins begründet. Zur Mythenbildung trug nicht zuletzt auch Torwartlegende und Hafenstraßenbewohner Volker Ippig bei, der 1988 in Autonomenkluft im "Aktuellen Sportstudio" auftrat.
Diese und unzählige andere erinnerungswürdige Momente aus der Vereinsgeschichte trägt die Ausstellung "Das St. Pauli Jahr 100" zusammen: von der Asienreise 1972 über die Schiedsrichterhilfe beim Aufstieg 1995 bis zum Weltpokalsiegerbesiegertag am 6.2.2002 und der einzigartigen "Retter"-Aktion 2003. Auch zahlreiche Lieder wurden dem Club gewidmet, geschrieben von Bands, die Fans sind. Wie Fettes Brot, Kettcar oder Panteon Rockoco, die in Mexiko die braunweiße Fahne hochhalten. Sie alle werden beim großen Geburtstagskonzert musikalisch gratulieren. Der Erlös des Konzerts geht komplett an gemeinnützige Projekte aus dem Umfeld des FC St. Pauli.
Die Devise für das große Jubiläum hat Präsident Corny Littmann, der St. Pauli ab Mai komplett in Braun-Weiß sehen möchte, schon ausgegeben: "Wir werden den Geburtstag nicht nur an einem Tag begehen, sondern sechs Monate lang durchfeiern und durchtrinken." Eine erstklassige Idee - unabhängig vom Tabellenplatz.
Irina Maria Chassein
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