Drei Austellungen pro Jahr, alle zwei Jahre ein Album: Dieser Mann ist aus dem Hamburger Kunst- und Musikleben nicht mehr wegzudenken. Dabei hat er sich nie Mühe gegeben, zum inneren Zirkel des Kulturbetriebs zu gehören.
Daniel Sebastian Meier
"Ich habe Bilder von mir sogar schon auf dem Flohmarkt wiedergefunden", erzählt Nils Koppruch.
Der Mann ist bodenständig: "Boeuf Stroganoff", sagt Nils Koppruch nach einem kurzen Blick auf die Wochenkarte im wuseligen f&b Deli und verschmäht Taboulé oder Entenbrust in Saté-Soße: "Zu exotisch." "Das waren zwei von Ulrich Tukurs Rhythmus Boys", verrät er dann über die beiden Herren, die er eben begrüßt hat, "mit denen trete ich heute Abend auf." Koppruch, der in der Nähe des Pferdemarkts ein Atelier und ein Tonstudio betreibt, kann nicht ins dortige Deli gehen, ohne Bekannte zu treffen. "Keine große Sache, ich singe nur im Chor mit", brummt er unter der Wollmütze hervor, während seine Augen auf den Teller schielen. Gemeint ist ein Geburtstagskonzert für den Swing-Gitarristen und AuschwitzÜberlebenden Coco Schumann, der kürzlich 85 Jahre alt wurde. Das ist typisch Koppruch: Er hat so viel zu tun, dass er mit seinen größeren Projekten langsamer vorankommt, als ihm lieb ist. Trotzdem wird er immer wieder fertig, hat mit seiner Band Fink und unter eigenem Namen acht Alben veröffentlicht sowie als Maler SAM zwei Jahrzehnte lang drei Ausstellungen jährlich bestückt.
Seine neue Schau "Ach, jetzt so" zeigt Landschaften und Stillleben, die aus weißen Strichen vor schwarzem Hintergrund bestehen. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass das Schwarz aus verschiedenen dunklen Farbtönen zusammengesetzt ist und die weißen Striche aus einer Unzahl akkurat gesetzter Punkte - ein aufwendiger Stil, der sich von früheren Koppruch-Werken unterscheidet. "Das Konzept von damals, mit wenigen Mitteln spontan draufloszuarbeiten, läuft sich irgendwann tot." Dabei sieht sich Koppruch in der Tradition der Art brut, der rohen Kunst ungelernter Maler. "Ich bin nach wie vor ein Dilettant", betont er, "ich habe Kunst nicht studiert und ich konnte mich nie für den Kunstbetrieb erwärmen." Dass seine Bilder bei Auktionen verkauft werden, kommt nur selten vor. Üblicherweise funktioniert der Handel mit seinen Werken so: Eine Ausstellung wird organisiert, Grillgut und Bier bereitgehalten, und am Abend der Vernissage ist ein Großteil verkauft. Zu moderaten Preisen und nicht an kühl rechnende Sammler, sondern an Menschen, die seine Bilder ins Wohnzimmer hängen. "Ich habe Bilder von mir sogar schon auf dem Flohmarkt wiedergefunden. Ich mag es, wenn man meine Sachen auch als Dekoration betrachtet, die sich irgendwann überlebt." Auch beim Nachtisch wählt Nils Koppruch klassisch. Bei Vanillecreme mit Erdbeeeren sprechen wir über seine Musik. "Ja, ich arbeite an einem zweiten Soloalbum", sagt er. "Und ich komme natürlich nicht so schnell voran, wie ich möchte."
Unser Autor Christian Zeiser, 40, hat längst aufgehört zu zählen, wie viele Fink-Konzerte er gesehen hat. Mit Nils Koppruch war er Mittagessen im: f&b deli, Neuer Pferdemarkt 3, St. Pauli, Tel. 41 35 99 64, Mo-Fr 8-19, Sa 10-16 Uhr
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