Das Interview in der Zentralmensa der
Uni Bochum
Ein Mittagessen mit ... Lukas Heinser
Lukas Heinser wurde von seinen Kollegen zum "Golden Blogger 2008" gewählt. Auf "coffeeandtv.de" beobachtet der Bochumer Student Alltag und Medien mit Humor und Durchblick.
Sascha Kreklau
Heinsers Erfolgsrezept: Medienkompetenz, gepaart mit einem aktiven Nutzerverhalten, das Amerikaner als "Cutting Edge" beschreiben.
Uni Bochum, Zentralmensa: Der Himmel hinter den riesigen Panoramafenstern ist so grau wie der Beton, aus dem die Hochschule gebaut ist. Und an den voll besetzten Tischen verzehren Studenten und Lehrkörper Salate, die schon seit Jahren immer gleich aussehen. "Schade, dass hier keine Partys mehr stattfinden", sagt Lukas Heinser. "Aber immerhin ist alles jetzt schön renoviert." Seit drei Jahren studiert er Germanistik, steht kurz vor seinem Master. Doch in den letzten Semestern wurde die Zeit zum Lernen knapp. Die Arbeit als Blogger: immer intensiver, und gerade erst wählten ihn andere Blogger zum "Goldenen Blogger 2008".
Heinser schreibt auf coffeeandtv.de über aktuelle Themen - schön subjektiv, gelegentlich auch ätzend scharf, aber stets mit dem Hintergrundwissen des angehenden Geisteswissenschaftlers. Er entlarvt die Schwächen der Musikkritiker auf "Spiegel Online", disst un genaue Recherchen der "Rheinischen Post"- Onlineredaktion, sammelt absurdeste Obama- Anbiedereien. Von den Grünen wurde er im Januar eingeladen, live von ihrem Parteitag zu bloggen. Und Stefan Niggemeier, berühmter Betreiber von "Bildblog.de", schätzt ihn als Co-Autor. Sein neuester Auftraggeber: das Internetportal von "Freitag", der neuen Wochenzeitung von Jakob Augstein. Heinsers Erfolgsrezept: Medienkompetenz, gepaart mit einem aktiven Nutzerverhalten, das Amerikaner als "Cutting Edge" beschreiben. Es sei doch klar, erklärt er, dass gewisse Dinge mit den Kumpels nur via Live-Chat besprochen werden. Probleme mit Mädels zum Beispiel: Da rufe doch niemand mehr an, sondern nutze ICQ oder ähnliche Plattformen.
Lukas Heinser steht mit beiden Beinen im Web 2.0. Trotzdem ist er kein Vollnerd, der nur im Strahlenfeld des Monitors lebt. Er singt in einer Britpop-Band, und der PRINZ-Termin wird von den interessierten Blicken einiger Studentinnen verfolgt. Aber wie startet man denn nun einen erfolgreichen Blog? "Du schreibt erst mal gegen die Wand", gibt Hanser offen zu. "Dann kommentierst du auf anderen Blogs, hinterlässt Backlinks, die auf deine Seite verfolgt werden können. Und wem gefällt, was er dort liest, der verlinkt dich vielleicht seinem Blog. So hatten wir erst 200 Besucher am Tag, dann 500, jetzt 1000". Der Ruhm hat seinen Preis: Wenn die Kommilitonen zurück in die Seminarräume gehen, sucht Heinser einen Ort ohne Funkloch und twittert per SMS ein paar Zeilen ins globale Dorf. Zwar notlandet gerade kein Airbus auf dem Campus, aber auch eine amüsante Notitz über den Namen des neuen Wirtschaftsministers machts sich stets gut.
Unser Autor Jan Wilms testet auch Restaurants, schaffte es im Studium allerdings nur sieben Mal bis in die Mensa. Mit Lukas Heinser war er jetzt dort Mittagessen.






