Tagsüber schreibt er allein daheim, abends geht er unter Leute: Im Fraunhofer sprach PRINZ mit dem Autor Friedrich Ani über seinen Münchner Kommissar Tabor Süden, das ganz spezielle Wirtshausgefühl und Bob Dylan.
Wer genau hinguckt, kann ihn entdecken: In der TV-Verfilmung seines Romans "Süden und das Geheimnis der Königin" sitzt Friedrich Ani im Fraunhofer allein vor einem Bier und macht sich Notizen. "Die Regisseure hatten beschlossen, dass ich in jedem ‚Süden'-Film irgendwo auftauche", erzählt er. "Klar, dass ich da das Fraunhofer gewählt habe." Friedrich Ani ist der Autor, der München zum Krimischauplatz gemacht hat - so wie Henning Mankell die schwedische Hafenstadt Ystad oder Ian Rankin die schottische Hauptstadt Edinburgh. Anis dienstältester Kommissar in München ist Tabor Süden; allerdings sind die Fälle, mit denen der es zu tun bekommt, unblutiger als die von Kollegen wie Wallander und Rebus. Leichen gibt es wenige, dafür viele verlorene Seelen, die lieber schweigen, als ein Wort zu viel zu sagen. Das Wirtshaus im Fraunhofer spielt eine zentrale Rolle in Film und Roman: Es ist eine typische Anlaufstelle für Anis Figuren, die sich abseits des geschniegelten Münchens bewegen - im früheren Glockenbachviertel etwa, in Giesing, Sendling oder der Au. Der Autor selbst kommt oft hierher. Zum Beobachten, und zwar am liebsten allein: "Ich bin ja gerne still am Tisch, aber die meisten Leute wollen immer reden." Das Schreiben erledigt er grundsätzlich daheim in Giesing; und obwohl seine Agentur gleich hier um die Ecke in der Jahnstraße liegt, trifft er sich geschäftlich lieber anderswo: "Berufsgespräche trenne ich möglichst von den Monologen, die ich so in mich hineinhalte."
Bei unserem späten Mittagessen hat Ani einen Notizblock und sein Tagebuch dabei. Wie immer, wenn er unterwegs ist. Schließlich könnte ihm ja jeden Moment etwas einfallen. Mitgebracht hat er auch sein neustes Buch "Mitschnitt", die erste größere Sammlung seiner Liebes- und Verzweiflungsgedichte. "Lyrik war schon immer Teil meiner Arbeit", sagt der erfolgreiche Krimiautor. Bevor er seine allererste Geschichte schrieb, hatte er schon Unmengen von Gedichten und Songtexten verfasst. "Ohne sie im Hintergrund hätte ich längst aufgehört zu schreiben; in all meinen Romanen klingen Echos von Gedichten nach, die ich nie geschrieben habe, die aber da sind und die ich bei der Arbeit höre." Eines der Gedichte in "Mitschnitt" heißt "In einem Gasthaus" und handelt von einem, der darin sitzt und schaut. "Ich bin schon ein Wirtshausbewohner", gesteht Ani schließlich. Seit über dreißig Jahren lebt er nun in München. Heimatgefühle weckt die Stadt, in der alle seine Geschichten und Romane spielen, bei ihm indes nicht: "Meine Heimat sind eine Handvoll Gedichte von Hölderlin und die Musik und Poesie von Bob Dylan."
Unsere Autorin Tina Rausch schreibt für PRINZ über Literatur und Literaten und sitzt am liebsten lesend im Café. Mit Friedrich Ani war sie Mittagessen im: Fraunhofer, Fraunhoferstr. 9. Gärtnerplatzviertel, Tel. 26 64 60, tägl. 16.30-1 Uhr, fraunhoferwirtshaus.de
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